Mittwoch, 27. Juli 2016
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DER TIERSCHUTZ-COCKER von BEATRIX HERTLING

Die Rassebeschreibung des Tierschutzcockers ist eine etwas schwierige Sache.

Ich möchte nicht, dass Interessenten abgeschreckt werden, ich möchte aber auch nicht, dass Cocker vermittelt werden und dann das Schicksal eines Wanderpokals teilen müssen. Denn viele der Auffälligkeiten entstehen erst durch wiederholte Rück- oder Weitergaben, z.B. die Trennungsangst oder auch das „Bewachen“.

Ich bekomme viele Anfragen mit den unterschiedlichsten Problemen. Und stelle fest, dass sich die Interessenten vorher mit möglichen Schwierigkeiten nicht auseinander gesetzt haben.

Aber ganz wichtig : N i c h t alle Cocker aus dem Tierschutz sind eine Herausforderung.
Es gibt auch viele völlige „Anfängerhunde“.

Der Interessent eines Cockers aus dem Tierschutz kommt da sicher auch auf die Idee, sich eine der typischen Rassebeschreibungsbücher zuzulegen.

Der Tierschutzcocker sollte auf keinen Fall zur Zucht eingesetzt werden, denn er selber ist ja schon das Ergebnis einer beendeten Beziehung. Es gibt genügend Cocker (und natürlich auch andere Rassen und deren Mischlinge) im Tierschutz, die alle dringend ein Heim brauchen.
Also wird der Rassestandard auch in den Cockerrassebüchern für den Tierschutzcocker eine unwichtige Sache.

Ich selber habe schon einige Cocker gehabt (eigene, Pflegehunde und betreute Tierheimhunde), so dass ich mir ein recht gutes Bild vom Tierschutzcocker machen kann.
Einige andere Halter von Tierschutzcockern haben mir auch gerne ihre Hunde beschrieben.

Grundsätzlich ist der Cocker ein toller Familienhund. Er ist sanftmütig, anhänglich und verschmust. Er ist aber auch temperamentvoll, immer zu einem Spielchen aufgelegt und lernt sehr schnell und begeistert.

So ist der Cocker sicher, wenn er vom guten Züchter kommt und liebevoll und konsequent (ohne Gewalt) erzogen wurde.

Diese gute Voraussetzung haben wir bei vielen Tierschutzcockern leider nicht. Aber es gibt auch im Tierschutz den Typ „Anfängerhund“, man muss vielleicht nur mal etwas warten.

Ich beschreibe aber hier mal wie viele Tierschutzcocker sich verhalten, da sie oft traurige Vorgeschichten haben.
Eine Vielzahl der Tierschutzcocker sind unsicher oder gar ängstlich in ihrem gesamten Verhalten. Da gibt es die Hunde, die auf der Straße gelebt haben, in der Tötung gesessen haben, in überfüllten Tierheimen ( meist im Ausland) gewartet haben oder den Cocker, der aus einer Massenvermehrung ausgemustert (und nie sozialisiert) wurde oder den Hund, der schon mehrfach den Besitzer gewechselt hat.

Was ein Straßenleben für Hunde bedeutet, kann man sich gut vorstellen. Kommt er an und bettelt, wird er verjagt. Man wirft mit Steinen nach ihm oder tritt ihn vielleicht sogar. Jedes Bücken kann deshalb für einen solchen Hund schon eine Bedrohung darstellen. Hunde in der Tötung haben wenig Platz. Die Beschäftigten dort arbeiten häufig mit sogenannten „Angeln“, um die Hunde zu transportieren (dünnes Seil oder Draht zieht sich dann um den Hals), sie hören die anderen Hunde schreien. Sie werden schlecht ernährt und haben oft kein Wasser.
Ein Hund aus einer Massenzucht hat mitunter nie einen Spaziergang gemacht und die Welt draußen ist nur schrecklich, weil beängstigend.
Die Tierheime im Ausland versuchen so gut es geht zu helfen, aber oft müssen mehrere Hunde zusammen untergebracht werden und es kommt zu Mobbing oder gar Angriffen untereinander.

Bekommt man so einen Hund, dann darf !!! man diesen Hunden den Glauben in die Menschheit wieder geben. Und es geht. Viele Halter von Tierschutzcockern, die mit Problemen ankamen, schwärmen heute von ihren Traumcockern.

Jedenfalls neigen diese Hunde auch oft dazu, alles zu verbellen. Sie bellen aus Unsicherheit und da gilt es mit viel Liebe, dem Hund zu zeigen, dass diese angstauslösenden Faktoren auch positiv sein können.

Viele Cocker sind auch begeisterte Jäger. Es gibt Cocker, die man ein Leben lang nicht ableinen kann. Das muss man einfach wissen. Es ist einfach unfair sich einen Jagdhund ins Haus zu holen und ihm dann mit Gewalt das Jagen abzugewöhnen.
Da gibt es andere Methoden, z.B. in dem man mit seinem Hund zusammen auf die Jagd geht .

Der Cocker ist ja ein Stöberer und der Stöberer muss vor dem Menschen weg, das Wild aufstöbern. Er hilft keinem Jäger, wenn er auf gleicher Höhe bleibt oder gar hinter ihm.
Und genau hier ist das „Leineziehen“ begründet.
Oft hilft es einfach, dem Cocker ein Geschirr anzuziehen. Manchen Hunden hilft auch ein Leinentraining, aber längst nicht allen.

Oft schließen sich Cocker gerne eng „einem“ Menschen an. Und leider entwickeln sogar einige die Macke dabei, diesen Menschen zu bewachen. Sie bewachen aber auch andere Dinge.

Ich für meinen Teil glaube, dass diese Hunde schlecht erzogen wurden (oder mit Härte) und den Hunden einfach eine richtige Beschäftigung fehlt.

Es mag selten Cocker geben, die mit drei kleinen Spaziergängen und einem Couchleben zufrieden sind.
Ich selber hatte noch nie einen solchen Cocker.
Auch die oft beschriebene Sturheit der Cocker kann ich nicht bestätigen. Allerdings die oft einfallslose Motivation der Halter.

Der Cocker frisst sehr gerne. Viele sind deshalb auch übergewichtig und laufen dann wieder ungern. Das ist ein Kreislauf. Wer seinen Hund liebt, der wird nicht zulassen, dass sein Cocker 19 oder mehr Kilo wiegt.
Meinen Cockern ist die Ressource Futter ungemein wichtig. Sie haben ja auch alle mal hungern müssen.
Aber auch Cocker, die nie hungern mussten, fressen gern.

Einige Cocker haben Probleme alleinezubleiben. Da sie auch oft redefreudig sind, bellen und jaulen sie dann die Nachbarschaft in Wut.
Häufig resultiert es daraus, dass diese Hunde es nie richtig gelernt haben oder weil sie einfach schon oft „weitergereicht“ wurden und dann Trennungsängste entwickeln.

Der Cocker ist sehr aufwendig in der Pflege und ein guter Trimmer nimmt gerne zwischen 30 und 40 Euro.
Viele der Tierschutzcocker haben Probleme, sich überall anfassen zu lassen. Pfoten oder das Maul sind da oft nicht einfach anzufassen.
Aber auch das kann man liebevoll üben.

Es gibt Cocker, die leben lieber als Einzelhunde. Auch draußen suchen sie keinen Hundekontakt. Sie buddeln gerne, schwimmen gerne und laufen natürlich gerne.

Meine Cocker machen Flächensuche, Agility, Bodenarbeit und auch Teile aus dem dogdancing.

Ein Interessent eines Tierschutzcockers sollte deshalb folgendes an Voraussetzungen bieten:
Liebe und Geduld.

Er sollte sich auf folgendes einstellen :

Cocker können Leinenzieher sein
Cocker können total verfressen sein.
Cocker leiden manchmal, wenn sie alleine gelassen werden.
Cocker brauchen Halter, die auch Zeit für sie haben.
Cocker sind manchmal etwas bellfreudig.
Cocker sind mitunter Eigenbrödler.
Cocker haben oft eine große Jagdleidenschaft.

Folgende Anmerkung bezüglich der gesundheitl. Probleme gelten natürlich für andere Rassen auch, aber beim Tierschutzcocker hört man immer wieder von diesen Problemen:
Ohrenentzündungen (oder auch Fremdkörper wie z.B. Grannen),
Augenprobleme, Analdrüsenprobleme sowie Lefzenekzeme.

Ich weiß nicht, was ich noch vergessen habe?
Doch!!! Das Wichtigste.
Cocker sind wunderbare, liebenswerte Geschöpfe. Und selbst ein Hund mit trauriger Vergangenheit, kann zu einem Traumhund werden.
Den einfachen Weg kann jeder gehen. Warum nicht mal eine Herausforderung annehmen? Natürlich nur, wenn man sich absolut sicher ist, dass man den Hund auch behalten kann. Denn einen Menschen verloren, das haben sie ja alle schon einmal.